Ein experimentelles Musiktheater-Projekt in der Psychiatrie der Immanuel-Klinik Rüdersdorf bei Berlin

Von und mit Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Klinik sowie Berliner Musiker*innen

Mit einem speziell entwickelten Instrumentarium, gebaut in den Werkstätten der Klinik und ihrer Außenstellen



JUST INTONATION ist das neue Werk von UNKNOWN SPACES (UKS).

Das Künstlerduo hatte zuvor über fünf Jahre (2011-16) die vier Hauptquartiere der Vereinten Nationen (Wien, Genf, Nairobi, NYC) als „Heterotopie / Welt in der Welt“ (inspiriert von Michel Foucault) untersucht. Dabei haben sie über Performances, Installationen, Workshops und Lecture Performances und unter der Mitwirkung von über 200 Menschen aus dem Kontext der UN über das Verhältnis zwischen Individuum, hochkomplexer Organisationsstruktur und natürlicher Umgebung gearbeitet.


Jetzt wird sich UKS mit JUST INTONATION einer weiteren Welt in der Welt annähern: der Psychiatrie.


Hierbei wird es die Arbeits- und Forschungsprämisse sein, sich mit den spezifischen Situationen des Ortes Psychiatrie, seiner Menschen und des klinischen Alltags auseinanderzusetzen. Daraus entsteht ein partizipatorisches, opernartiges Gesamtkunstwerk, das mit Sensibilität und Respekt vor Ort und Mensch ein ungewöhnliches Bild auf den Unschärfebereich zwischen gesellschaftlicher Norm und Abweichungen im Erleben und Verhalten werfen soll. Dies ist der Bereich, in dem sich künstlerisches Schaffen zumeist ereignet.


UKS setzt hier an und beabsichtig über einen intensiven Dialog mit Menschen aus beiden Bereichen (Psychiatrie & Kunst) die „Stimmungen“ (Stimmung = engl. / mus. Intonation) des gemeinsamen Überlappungsfeldes zu untersuchen. Subjektive, psychische Stimmungswahrnehmungen auf das klangliche Phänomen der Intonation werden gespiegelt und  münden in einem kreativen Schaffensprozess. Wie jedes Instrument verfügt auch jeder Mensch über ihm charakteristische Stimmungen. Zugleich machen – wie z.B. es Hermann von Helmholtz detailliert untersuchte – komplexe psychoakustische Phänomene Klang dynamisch differenziert erfahrbar. Über die gemeinsame Arbeit an der Begegnung zwischen seelischer und klanglicher Gestimmtheit werden sich nicht nur die am Prozess beteiligten Personen einen neuen Eindruck ihrer Welt verschaffen, sondern über das Resultat der gemeinschaftlichen Forschung öffnet sich die sonst verschlossene Welt der Psychiatrie auch für Außenstehende.


Die Auseinandersetzung mit dem Werk und der ungewöhnlichen Vita des amerikanischen Komponisten Harry Partch ist hierfür der inspirative Anknüpfungspunkt für JUST INTONATION. Besonders die von Partch gepflegte Praxis nach ungewöhnlichen instrumentalen Stimmungen zu forschen, dient als Grundlage. Partch baute unkonventionelle mikrotonale Instrumente und brachte sie über hybride Performance-Formate zwischen Konzert, Oper und Musiktheater zur Aufführung. Seine Methode war es, neben den aufgefangenen Informationen informeller Gespräche auch die Sprachmelodie- und den Sprachrhythmus als Material für das Komponieren einzusetzen. Diese musikalischen Experimente nimmt JUST INTONATION als Impuls für den künstlerischen Austausch mit den Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Psychiatrie Rüdersdorf.


Team & Ensemble

Konzept, Regie, künstlerische & musikalische Leitung: unknownspaces/ Janina Janke und Maurice de Martin

Jana Mariel Supka: Tuba, Stimme, Performance

Hilary Jeffery: Posaune, Stimme, Performance

Michael Vorfeld: Perkussion, Licht-Instrumentarium


In Partizipation von Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Psychiatrischen Klinik Rüdersdorf


Uraufführung @ Immanuel-Klinik Rüdersdorf Ende Juni 2019.

Der genaue Termin wird im Februar 2019 bekanntgegeben.



JUST INTONATION wird realisiert in Kooperation mit der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und der Immanuel-Klinik Rüdersdorf. JUST INTONATION wird gefördert vom Musikfonds mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


















© unknownspaces Janina Janke & Maurice de Martin GbR 2018-19